100-Jahrfeier

Die 100-Jahrfeier, die erste offizielle Gedenkfeier zu Ehren von Cäsar Ritz, fand am 24. August  1952 in dessen Geburtsort in Niederwald statt. Leider fand sie zwei Jahre zu spät statt, da man offensichtlich keine übereinstimmenden Termine gefunden hatte. Marie-Louise Ritz empfing die geladenen Gäste nicht im grossen «Ritz» an der Seine, sondern auf der Geissenwiese an der Rhone in Niederwald.

DIE ANKUNFT

Von früher Jugend auf war Marie-Louise Ritz gewohnt, die Grössen der damaligen Welt zu empfangen. Diesmal war sie Gastgeberin von Bergbauern. Noch bevor sich Marie-Louise Ritz mit ihren Besuchern ins Dorf begab, wurde ihr zu Ehren fröhlich gesungen. In frohen Farben mischte sich die Niederwalder Werktagstracht mit weltmännischer Gewandung zu einer Gemeinschaft. In einem der alten, von der Sonne schwarzgebrannten Holzhäusern, oben im Dorf, dem Vaterhaus von Cäsar Ritz, empfing die von Paris gekommene Witwe die Besucher aus nah und fern. Als einer der ersten erschien der damalige Bundesrat Dr. J. Escher. Um die Mittagszeit führte der Magistrat die hochbetagte Gastgeberin, behutsamen Schrittes hinunter auf den Dorfplatz, wo später Raclette serviert wurde. Marie-Louise Ritz wurde von ihrem Sohn Charles Ritz, der auch sehr mit der Heimat seines Vaters verbunden war, begleitet.

DIE FEIER

An seiner Eröffnungsansprache dankte der damalige Gemeindepräsident, Franz Wirthner, allen Anwesenden für den Besuch in Niederwald und die damit verbundene Würdigung an Cäsar Ritz. Charles Ritz, der langjährige Direktor des «Ritz» in Paris und Fliegenfischer von Weltruhm, wollte es nicht unterlassen, die Grüsse und Dankesworte der Familie Ritz an die Gäste zu überbringen. Nach seiner Ansprache wollte es Bundesrat Escher nicht unterlassen, dem Sohn von Cäsar Ritz seine Wünsche zu überbringen. Zum Beginn der Feierlichkeiten wurde auf dem Dorfplatz, der von Marie-Louise Ritz gespendete, neue Dorfbrunnen eingeweiht. Zugleich wurde die Gedenktafel, welche an Cäsar Ritz erinnern soll, ebenfalls eingeweiht. Sie wurde vorab am stattlichen Brunnen angebracht, später in den Gemeindesaal versetzt, wo man sie heute noch besichtigen kann.

EINDRÜCKE

Marie-Louise Ritz und ihr Sohn Charles Ritz wurden von allen aufs herzlichste begrüsst. Jeder wollte diesen wohlhabenden und doch von Niederwald abstammenden Leuten die Hand reichen. Empfangen wurden, neben Dr. Franz Seiler der Seiler-Hotels samt Ehefrau ebenfalls Siegfried Bittel, damaliger Direktor der Schweizerischen Verkehrszentrale. Die Jugend von Niederwald hatte ein kleines Geschenk für die Familie Ritz aus Paris bereitgestellt. Sie führten ein kleines Jugendspiel, welches von Schwester Marie-Gebhard Arnold inszeniert wurde, auf. «Ein Cäsar kann doch nicht beim Kuhhirt bleiben!» Auf dem Dorfplatz wurde ein Portrait aufgehängt, welches an Cäsar Ritz erinnern sollte.

UNVERGESSLICHES

Auf dem Weg zum Geburtshaus von Cäsar Ritz, tauschte man sich gegenseitig alte Geschichten aus und erfreute sich am nostalgischen und sehr gut erhaltenen Dorf Niederwald. Bei der Besichtigung des Geburtshauses staunte Charles Ritz nicht schlecht, als er die in der Decke eingeschnitzte Jahreszahl sah. Marie-Louise Ritz erkundigte sich nach der Bauweise des Gebäudes und erfreute sich an dem noch gut erhaltenen Giltsteinofens aus dem Baujahr 1778, welcher von Cäsar Ritz' Vater, Grossvater und zwei Onkeln gebaut wurde. Es war ein herrlicher Tag. Für einmal waren viele Grössen der Welt in Niederwald beisammen, um an der Feier zum Gedenken an Cäsar Ritz teilzunehmen. Hunderte feierten mit, nahmen sich Zeit und versuchten die Familie Ritz näher kennen zu lernen. Marie-Louise Ritz, welche stets mit reichen, wohlhabenden und exklusiven Menschen in Kontakt trat, welche stets im Luxus lebte und welche durch ihren Gatten auf der ganzen Welt bekannt wurde, blieb in ihrem Tiefsten immer der Familie und der Freundschaft verbunden.

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