Hommage an Cäsar Ritz und die Künstlerfamilie Lorenz und Raphael Ritz

Gemälde von Raphael Ritz (1829-1894) - "Frau in einer Küche auf Valeria lesend", 1881
Gemälde von Raphael Ritz (1829-1894) - "Frau in einer Küche auf Valeria lesend", 1881

SCHWEIZERISCHER TELLERWÄSCHER-TRAUM

1796 kam im ‚Schloss‘ in Niederwald Justin Lorenz Ritz zur Welt. Niemand dachte damals, dass er einer der bekanntesten Porträtmaler des Wallis, Zeichenlehrer, Politiker und Offizier würde.
Ein halbes Jahrhundert später, 1850, wurde im gleichen kleinen Dorf - keine 50 Meter vom ‚Schloss’ entfernt - Cäsar Ritz geboren. Er war ein mit Justin Ritz weitaus Verwandter, und auch bei ihm wäre niemand auf die Idee gekommen, dass er berühmt würde und als Erfinder der luxuriösen Hotellerie den Übernamen ‚König der Hoteliers’ bekäme. 
Während Justin Lorenz Ritz nach anfänglichen Auslandjahren seiner Heimat treu blieb, er lebte in Brig und später in Sion, feierte Cäsar Ritz vor allem ausserhalb der Schweiz seine Erfolge.

HÖHEN UND TIEFEN

Beide Persönlichkeiten lebten in einer turbulenten Zeit, die ihr Schicksal und ihren Werdegang stark beeinflusste. Justin Lorenz Ritz erlebte als Dreijähriger den Einfall der napoleonischen Truppen und die von manchen Konflikten begleitete Bildung der Schweiz; Cäsar Ritz floh 1871 vor den Truppen der Kommunarden aus Paris, wohin er ein Jahr später jedoch wieder zurückkehrte. Danach leitete er erfolgreich Hotels in der Schweiz, Frankreich, Italien, Deutschland und England, bis er 1886 von der Leitung des Hotels Savoy in London entlassen wurde und 1898 in Paris sein erstes eigenes Hotel eröffnen konnte: das Hotel Ritz! Diesem Erfolg folgte jedoch ein herber Rückschlag, als Cäsar Ritz einen Nervenzusammenbruch erlitt, von dem er sich nie mehr erholen sollte.

 

DAS ERBE DER RITZ

Justin Lorenz Ritz fand einen Nachfolger in der Person seines Sohnes Raphael, eines sehr begabten Genremalers, was ihm den Übernamen ‚Der Raphael des Wallis‘ einbrachte; Cäsar Ritz in der Person seiner Frau Marie-Louise, die mit viel Wissen und Geschick das Erbe ihres Mannes weiterführte. Charles, einer der Söhne, stand ihr zur Seite, doch fehlte ihm das Charisma und die Begeisterung seines Vaters und seiner Mutter.

„SUITE M“ IM BESUCHERZENTRUM

Den beiden bekannten Bürgern Niederwalds wird je eine Ausstellung im neuen Besucherzentrum gewidmet sein. In den vergangenen zwei Jahren sammelte Martin Brauen, der mit den Ausstellungen betraute Kurator, geeignetes Material. Während zu den beiden Künstlern bereits viel Material vorliegt - verstreut auf mehrere Sammlungen - gibt es zu Cäsar Ritz erstaunlich wenig Objekte. So war es ein Glücksfall, dass im April 2018 grosse Teile des ‚alten‘ Pariser Hotel Ritz versteigert wurden. Mit Hilfe einer Gönnerin aus Bern konnte das gesamte Mobiliar eines Hotelzimmers ersteigert werden, das in der Ausstellung unter dem Namen ‚Suite M’ aufgebaut werden wird -‚Suite M‘ in Erinnerung an Marie-Louise Ritz, die bei der Einrichtung der Hotelzimmer stets rege mitwirkte, aber auch an die Gönnerin (Marlies K.), dank der die Objekte erworben werden konnten.

DER NAME RITZ VERPFLICHTET

Gesammelt wurden auch alte Fotos, Schriftstücke, Werbungen, bei denen der Name Ritz als Garant für ultimativen Luxus steht, Filme und Musik, die mit Ritz in Zusammenhang stehen, Menus, Werbegeschenke etc. Von den Filmemachern Frank Garbely und Adrian Zschokke erhielten wir die Erlaubnis, den Film ‘Ritz - Hotelier der Könige, König der Hoteliers’ in der Ausstellung zu zeigen.
Ebenso dürfen wir einige Fotos der bekannten französischen Fotografen Roger Schall und des Schweizer Fotografen Paul Senn zeigen, wie auch Fotos des Bündner Fotografen Hans Domenig.
Die verstreut in verschiedenen Sammlungen befindlichen Zeichnungen/Skizzen von Raphael Ritz wurden fast vollzählig fotografiert beziehungsweise erfasst (ETH, Staatsarchiv Zürich, Schweizerisches Landesmuseum, Kunstmuseum Sion), so dass sie vom Publikum auf Laptops/Tablets erkundet werden können.
Wir werden auch mit privaten Sammlern und dem Kunstmuseum in Sion zusammenarbeiten, ebenso mit dem Walliser Staatsarchiv und einigen weiteren Schweizer Museen.

IM HEIMATDORF ZURÜCK

Zum ersten Mal werden somit die beiden bekannten Bürger Niederwalds - Cäsar Ritz und Justin Lorenz Ritz - in ihr Heimatdorf zurückkehren und aufzeigen, dass der sogenannte ‚amerikanische Tellerwäscher-Traum’ auch in der Schweiz möglich war und ist.

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